Freitag, 20. Januar 2017

Rezension: Im Zeichen des Todes - Sam Wilson

© Random House
Im Zeichen des Todes
| Sam Wilson |

Verlag: Penhaligon 2016
Seiten: 480 
ISBN: 9783764531737

MEINE BEWERTUNG 

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Grotesker Sternzeichen-Thriller

Die Stadt San Celeste wird von einer Mordserie heimgesucht. Ermittler Jerome Burton ist mit dem Fall betraut und bekommt eine Astrologin zur Seite gestellt. Denn im San Celeste dieser Welt geben die Sterne den Tod und die gesellschaftliche Stellung an.


Bei diesem Buch handelt es sich um eine groteske Mischung aus Dystopie, Thriller und Krimi, die zumindest sehr besonders zu lesen ist. Tragende Themen sind allerdings Korruption und Machtmissbrauch, wodurch es eher zu einem politischen Thriller wird. 

In dieser Welt ist die Astrologie gesellschaftliches Gesetz. Menschen werden ihrem Sternzeichen nach in Kasten gedrängt, leben diesem aufgezwungenen Umfeld entsprechend und haben keine Chance, sich dieser Rolle zu entwinden.


Die Sternzeichen-Thematik hat mich sofort neugierig gemacht, denn sie hat einen interessanten dystopischen Zugang versprochen, der aber leider zu einem wirren System verkommen ist. Auf den ersten Seiten wird man über die Sternzeichen aufgeklärt. Sie enthalten einen kurzen Infotext über Eigenschaften, Lebenswandel und Berufsaussichten. Hiervon habe ich mir einiges versprochen, aber gut umgesetzt wurde es nicht. Mich wundert, dass dieses System von den Menschen kaum in Frage gestellt wird, dass die Signifikanz des Sternzeichens in allen Bereichen besteht und dass man absolut keine Informationen dazu erhält, wie dieses System entstanden ist bzw. auch nicht, wie es sich überhaupt halten kann. Es liest sich wenig durchdacht, man kann es nicht nachvollziehen, was nicht nur für den Leser sondern auch für die Figuren gilt. Denn immer wieder kommt hervor, dass sie selbst nicht wirklich an die Astrologie glauben bzw. die Realität nicht dem Horoskop entspricht. 


In groben Zügen konnte ich natürlich Parallelen zu Rassismus erkennen. Hier zeigt der Autor, wie Menschen aufgrund ihrer Herkunft in Rollen gedrängt werden, wie sie ihrem sozialen Milieu nur schwer entkommen können und wie ein Rad das nächste dreht, weil es der folgenden Generation ähnlich ergeht.


Trotzdem hatte ich beim Lesen das Gefühl, als ob es ursprünglich ein normaler Action-Thriller war, der im Nachhinein mit der Sternzeichen-Thematik aufgepeppt wurde, um dem Roman vielleicht mehr Raffinesse zu verleihen.


Die Protagonisten sind an der Oberfläche geblieben. Burton ist der gute Cop, der einfach nur seinen Job erledigen will. Dabei hat er es nicht leicht und legt sich mit den Bossen im Polizeirevier an. Lindi wird als beratende Astrologin zum Fall hinzugezogen, was in der ‚normalen‘ Welt wohl der Profilerin der Story entspricht. Dann gibt es noch Daniel, den man lange Zeit nicht einordnen kann. Diese Figur hat mir besonders gut gefallen, weil ihn eine düstere Atmosphäre umgibt.


Mit diesem Thriller lässt man sich auf viele Perspektivenwechsel ein. Ähnlich wie im Fernsehen kommt es zu laufenden Szenenwechseln, die an sich recht spannend zu verfolgen sind. Besonders die Eingangs- und die Abschlussszene haben es mir angetan. In diesen beiden Sequenzen hat der Autor sein Potential gezeigt und ich hoffe, dass er in ähnlicher Qualität weiter schreibt. 


Vom Aufbau und der Handlung her erinnert mich das Buch stark an typische Polizei-Action-Serien, in denen nach dem üblichen Schema F gearbeitet wird, die Spannungskurve mit der Korruption steigt und die klischeehaften Figuren laufend gegen den Strom schwimmen. Man merkt wohl, dass mich dieser Ablauf nicht begeistern kann.


„Im Zeichen des Todes“ hat mir leider nicht gefallen. Mir war der Rahmen zu überfrachtet, die Charaktere waren meinem Geschmack nach zu ausgehöhlt und die Handlung ist zu fadenscheinig geblieben. Trotzdem denke ich, dass es Lesern gefallen wird, die kriminalistische Polit-Thriller mögen und sich auf die Macht der Sterne einlassen können.

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MEINE BEWERTUNG

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Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Vielen Dank für diese Rezension. Ich hatte schon geliebäugelt, doch Schema F und too much Action muss dann doch lieber nicht sein.

    Liebe Grüße

    Anja von Nisnis Bücherliebe

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    1. Hallo Anja,

      es ist ein ganz seltsames Buch, dabei sind die Actionszenen gar nicht sooo überragend, aber es erinnert eben an diese unglaubwürdigen Krimi-Fernsehserien à la Autobahnpolizei, weil es von der Handlung her recht flach ist.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  2. Hi Nicole! :D

    Du wirst es nicht glauben, aber das Buch hatte ich mir auch schon genauer angeschaut, mich dann aber doch dagegen entscheiden, ich habe mir irgendwie schon gedacht, dass es so klischeehaft ist! Jetzt bin ich echt froh, es nicht als Rezensionsexemplar angefragt zu haben!

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!

    Jessi

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    1. Hallo Jessi,

      ich habe bei dem Buch auch lange überlegt, aber dann dachte ich mir, dass ich ansonsten nichts Neues kennenlernen kann. Leider war es wirklich nichts und der Rahmen hat einfach meinem Gefühl nach nicht gepasst. Hier hast du sicher nichts versäumt.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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