Freitag, 23. Dezember 2016

Rezension: Die Rückkehr - Rebecca West

© dtv
Die Rückkehr
| Rebecca West |

Verlag: dtv 2016
Seiten: 160 
ISBN: 9783423280808

MEINE BEWERTUNG 

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Die Rückkehr des Soldaten

Während des 1. Weltkriegs halten Jenny und Kitty Baldry das Landgut der Familie auf Vordermann. Alles soll perfekt sein, wenn Kittys Ehemann Chris, der Herr des Hauses, von der Front aus Frankreich zurückkommt. Doch dann erhalten sie die Nachricht, dass der geliebte Ehemann und Cousin einen Granatenschock erlitten hat, und sich an nichts aus der jetzigen Zeit erinnern kann.

Als vordergründiges Thema werden der 1. Weltkrieg sowie der „Granatenschock“ an sich angepriesen. Meinem Empfinden nach sind diese beiden Aspekte aber sehr in den Hintergrund gerutscht und es ist ein kleines Gesellschaftsdrama geblieben, das die feinere Gesellschaft in ihre Schranken weist.

Chris leidet unter einem Granatenschock. Dabei sind die Soldaten äußerlich unversehrt, haben aber mit psychischen Symptomen zu kämpfen, die zu dieser Zeit nicht immer anerkannt wurden. In Chris’ Fall kann er sich an sein gegenwärtiges Leben nicht erinnern und hängt einer Liebe aus der Vergangenheit nach. Die Geliebte, die er vor 15 Jahren kennengelernt hat, ist mit von der häuslichen Partie und so ergibt sich eine merkwürdige Vierecksbeziehung, die der übergreifende Rahmen ist.


Als Protagonistin habe ich seine Cousine Jenny empfunden. Sie ist bei Chris’ Ehefrau Kitty geblieben und die beiden Frauen haben für Ordnung im herrschaftlichen Anwesen gesorgt. Nun nimmt sie die Rolle der Vermittlerin ein und setzt alles daran, Chris wieder gesund zu bekommen. Dabei zögern die Frauen nicht einmal, die einstige Geliebte ins Haus zu holen.


Kitty, Lady des Hauses und Chris’ Ehefrau, kommt meiner Meinung nach zu unrecht sehr schlecht in der Geschichte weg. Sie wird als oberflächlicher Dekorgegenstand beschrieben, der sich gegen die alte Liebe ihres Ehemanns stellt. Ich hoffe, hier sieht man anhand meiner Wortwahl schon, wie unfair ich diese Darstellung empfinde, denn immerhin hat Chris auch Kitty geheiratet und sie kann nichts dafür, dass er sie sich als Ehefrau genommen hat.


Der Schreibstil ist trotz der fast 100 Jahre angenehm zu lesen und die Beschreibungen an sich sind der Autorin gut gelungen. Auch mit den Charakteren konnte ich mitfühlen und sie wurden für ein doch recht knappes Werk exzellent abgebildet.


Dieses Buch hat bestimmt literarischen Wert. Vor allem wenn man bedenkt, dass es das einzige zeitgenössische Werk über den 1. Weltkrieg ist, das von einer Frau geschrieben wurde. Trotzdem muss ich sagen, dass es mir insgesamt nicht besonders gefallen hat, weil es mir einfach zu wenig Bezug zum Kriegsgeschehen und zur damaligen Gesellschaft herstellt.


Klassikerfreunde sollten sich wohl unbedingt ein eigenes Bild von Rebecca Wests „Die Rückkehr“ machen, obwohl ich nicht das Gefühl habe, dass mir ohne dieses Buch viel entgangen wäre. 


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MEINE BEWERTUNG


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