Dienstag, 18. Oktober 2016

Rezension: DNA - Yrsa Sigurdardóttir

| Yrsa Sigurdardóttir |

Verlag: btb 2016
Seiten: 480 
ISBN: 9783442756568

MEINE BEWERTUNG 

★★ - 



Grandioser Reihenauftakt von Islands Krimi-Queen

Eine Frau wird nachts grausam ermordet, während ihre Tochter unter dem Doppelbett kauert. Eine weitere Frau wird unter ähnlichen Umständen brutal zu Tode gebracht und niemand kann einen Zusammenhang sehen. Außer den merkwürdigen Botschaften, die der Täter bei beiden Opfern hinterlassen hat. Kommissar Huldar liegt nun viel daran, dass kleine Mädchen als einzige Zeugin zu verhören, doch dazu muss er sich mit Psychologin Freya auseinandersetzen.

Obwohl die knappe Inhaltsangabe banal und typisch klingt, konnte ich mich von der ersten Seite an Yrsa Sigurdardóttirs Stil nicht entziehen. 

Es ist ein ganz typischer Kriminalroman, mit vagen Spuren, seltsamen Ereignissen und den standardisierten Ermittlern. Dann schafft es die Autorin aus diesen einfachen Zutaten ein kriminalistisches Meisterwerk zu kreieren. 


Gleich am Anfang ist man mittendrin. Man befindet sich bei einer jungen Frau, die mit ihren Kindern allein zuhause ist. Es ist Nacht, es ist ruhig, die Kinder schlafen schon, und auf einmal kriegt sie es mit der Angst zutun.


Diese und andere Szenen sind so realistisch beschrieben, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte, weil ich mitten im Geschehen auf Island war. 


Die Protagonisten - Kommissar Huldar und Psychologin Freya - sind ebenso aus dem Leben gegriffen. Sie haben zwar beide ihr Päckchen zu tragen, allerdings gerade so, wie es für Menschen in diesem Alter normal ist. Es gibt keine versteckten Superhelden, keine traumatischen Erlebnisse, von denen sie für ihr ganzes Leben gezeichnet sind, sondern es handelt sich dabei um zwei ganz normale Menschen, die gute und schlechte Zeiten hinter sich haben und nun gemeinsam an diesem Fall arbeiten.


Außerdem begleitet man noch einen jungen Mann namens Karly, der sich ganz und gar der Funkerei verschrieben hat. Hier arbeitet die Autorin interessante Fakten über das Funken ein, das mittlerweile in Vergessenheit gerät, jedoch nach wie vor eine wichtige Funktion einnimmt.


Diese Perspektiven wechseln sich ab. Einmal geht man mit Freya die Zeugenaussage des kleinen Mädchens an, dann ist man mit Huldar dem Mörder auf der Spur und auf einmal wird wieder eine Frau umgebracht.


Die Mordarten sind äußerst brutal gewählt. Wer solche Szenen scheut, darf sich hiervon nicht einschüchtern lassen, weil es die Autorin dem Kopfkino überlässt, die Details auszuschmücken. Die Sterbeszenen enden genau im richtigen Moment, bevor es grauslich wird.


Die Handlung ist typisch Krimi und dann auch wieder nicht. Denn Yrsa Sigurdardóttir hat mich derart auf die falsche Fährte gebracht, dass ich am Ende erstaunt die Augen aufgerissen habe. Wer hätte das gedacht?


Die Hintergründe waren einleuchtend und mit diesem wunderbaren Island-Krimi-Charme versehen,  der mit den Besonderheiten der Insel und der Bevölkerung besticht. 


Meiner Meinung nach hat die Autorin einen außergewöhnlichen Stil, den ich als „isländisch“ bezeichne, obwohl ich natürlich nicht weiß, was typisch für isländische Schriftsteller ist. Denn trotz des nüchternen, ruhigen Tons, baut sie eine unheimliche Spannung auf, die einen nicht mehr loszulassen gedenkt.


Für mich ist Yrsa Sigurdardóttirs „DNA“ ein Krimi erster Klasse, wie man ihn selten zu lesen bekommt. Wer Atmosphäre, Stimmung und authentische Charaktere schätzt, sollte sich unbedingt auf Island begeben und mit Huldar und Freya diese brutalen Morde aufklären.

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MEINE BEWERTUNG


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Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar.

Kommentare:

  1. Hi Nicole :D
    Das Buch ist mir auch schon aufgefallen, war aber noch ein wenig zwiegespalten, weil es doch wohl eher Richtung Krimi geht! :D Nach deiner Rezi habe ich jetzt aber echt Lust, das Buch zu lesen! :D

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Guten Morgen, Jessi!

      Ich glaube, die Autorin trifft genau deinen Geschmack. Ich hatte hier anfangs auch meine Bedenken, weil es eben ein 'normaler' Krimi ist. Aber er steht Yrsa Siguradardóttirs Thrillern um nichts nach. Kann mir gut vorstellen, dass dir ihre Bücher gefallen.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  2. Allein der Name Freya verpflichtet mich, mir auch dieses Buch zu besorgen :)

    LG Andrea

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    1. Vielleicht wirst du ja auch noch zum Sigurdardóttir-Fan. :) Aber allein am Namen wird's dann wohl nicht liegen.

      Bin gespannt, was du dazu sagen wirst.

      LG Nicole

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  3. Jaa jaaa jaaa, wenn ich es nicht schon auf meiner WuLi wäre, spätestens nach deiner Rezi wärs darauf gelandet!

    Liebe Grüße, crumb von http://kejas-blogbuch.de/ ;)

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    1. Freue mich auf deine Meinung dazu!

      LG Nicole

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  4. Hach, ich freue mich richtig, dass es dir auch so gut gefiel. Wenn ich mir deine Rezi so angucke, sind wir uns ja mal wieder einig!

    Liebe Grüße
    Mona

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    1. Hallo Mona,

      ja, eindeutig! Mit Sigurdardóttir haben wir in diesem Jahr eine richtige Perle entdeckt. :)

      Liebe Grüße
      Nicole

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  5. Oh schon wieder ein 5 Sterne Buch von der Autorin. Ich hab diesen Monat erst "Geisterfjord" auf deine Empfehlung hin von ihr ergattert und will es jetzt bald anfangen. Bin nun nochmal mehr gespannt auf die Autorin.

    Viele Grüße, Julia

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    1. Hallo Julia,

      ich hoffe so sehr, dass dir "Geisterfjord" auch gefällt. Sabine von Buchmomente war leider weniger angetan davon. Jedenfalls konnte mich Sigurdardóttirs neuer Krimireihenauftakt genauso packen. Die Autorin ist einfach klasse!

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  6. Hi Nicole,

    deine Rezi macht mich neugierig und dass, obwohl ich mit den skandiavischen Namen usw. so meine Probleme habe und mich vom Lesen abschweifen lässt. Da werde ich mir auf jeden Fall mal eine Leseprobe organisieren. Mal sehen, ob du mich mit diesem Buch einfangen kannst :)

    Liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Hallo Uwe,

      es stimmt schon, die Namen sind doch gewöhnungsbedürftig. Dazu kommt auch noch, dass die Nachnamen anders als bei uns funktionieren. Aber grad das gefällt mir auch so gut, weil es zwar eine ähnliche Kultur ist und trotzdem etwas anders. Je mehr Bücher ich von der Autorin gelesen habe, desto leichter habe ich mir jedenfalls mit den Namen getan.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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