Mittwoch, 13. Juli 2016

Rezension: Stolz und Vorurteil - Jane Austen

© Anaconda Verlag
Stolz und Vorurteil
| Jane Austen |

Verlag: Anaconda Verlag 2007 (erstmals 1813)
Seiten: 368 
ISBN: 9783866471788

MEINE BEWERTUNG 

★★ - 



Ein bisschen Geplänkel hier, noch mehr Geplänkel da

Fünf aufgeweckte Töchter denkt Mrs Bennet in nächster Zeit zu verheiraten. Denn im ausgehenden 18. Jahrhundert möchte sie nicht nur ihre gesellschaftliche Stellung durch angesehene Schwiegersöhne verbessern sondern ihre Töchter wirtschaftlich gesichert und versorgt wissen. Elisabeth ist eine davon. Als zweitälteste Tochter sieht sie sich nach geeigneten Heiratskandidaten um, doch ihr aufgesetzter Stolz und gar nicht so vorurteilsfreies Gemüt nehmen ihr die Sicht, wo doch der perfekte Ehemann vor ihrer Nase ist.

Dieses berühmte Werk der Weltliteratur ist Anfang des 19. Jahrhunderts erstmals erschienen. Angeblich hat Jane Austen bereits mit 21 Jahren daran gearbeitet und es nach mehreren Überarbeitungen letztendlich unter einem Pseudonym veröffentlicht. „Stolz und Vorurteil“ ist meiner Meinung nach ein Gesellschaftsroman, weil er einen kritischen Blick auf Leben und Alltag des britischen Bürgertums wirft, andrerseits kann es zudem als Entwicklungsroman bezeichnet werden, weil besonders Elisabeths charakterlicher Lernprozess im Vordergrund steht.

Elisabeth ist eine junge, ansehnliche Frau, wenn vielleicht auch nicht ganz so schön, wie manch andere. Sie ist auf ihre Weise selbstbewusst und stolz, eine Eigenschaft, die ihr fast das Glück kostet. Beinah überschätzt sie nämlich ihre gesellschaftliche Stellung, weil sie es durch ihre provinzielle Umgebung gewohnt ist, offensichtlich begehrt und hofiert zu werden. Bis sie allerdings erkennt, dass sie aufgrund mangelnder finanzieller Möglichkeiten, doch keine so gute Partie für potentielle Ehemänner ist.


Elisabeth ist der Meinung, einen guten Menschenverstand zu haben. Hausverstand hat sie allemal und ist meiner Ansicht nach nicht ganz so voreingenommen wie manch andere  in ihrer Familie. Jedoch bildet sie sich allzu rasch ein Urteil ohne sich so recht Gedanken über andere mögliche Perspektiven zu machen.


Meiner Meinung nach wollte Jane Austen mit ihrem Werk auf amüsante Weise auf die unglückliche Stellung der Frauen hinweisen. Denn egal ob Elisabeth oder ihre Schwestern, ohne Ehemann wären sie früher oder später mittellos dagestanden und demzufolge durfte man sich den Mann für’s Leben nicht nur aufgrund von Sympathie aussuchen, sondern musste vermehrt auf gesellschaftliche Stellung und finanzielle Einkünfte achten.


Die Handlung hat mir gefallen. Es war teilweise unterhaltsam mit dem Ehepaar Bennet ihre Töchter unter die Haube zu bringen, wenn auch manche Wahl etwas daneben ging und viele Entwicklungen für allerlei Furore sorgten, wobei natürlich Elisabeth besonders viel Verwirrung gestiftet hat.


Elisabeth selbst habe ich sehr gemocht. Sie ist eben ein junges Mädchen, ständig um andere bemüht, jeder gesellschaftlichen Etikette zum Trotz auch darauf erpicht, das Richtige zutun und schmeichelt sich damit in das Herz jedes Lesers ein.


Mit dem Erzählstil komme ich bei Austen einfach nicht zurecht. So gut die Handlung auch ist, dieses Buch hat mich ganz schrecklich gelangweilt. Es ist eine Abhandlung über Besuche und Bälle, Abendessen und Palastbesichtigungen, ein bisschen Geplänkel hier und noch mehr Geplänkel da, während wieder eine Kutsche vorbereitet wird, um erneut irgendeine Einladung anzunehmen und sich zum nächsten Besuch aufzumachen. Jane Austen konzentriert sich voll und ganz auf ihre Figuren und spart weitere Erläuterungen so gut wie vollständig aus. Seien es Beschreibungen der Umgebung oder Personen, der Roman ist auf Dialoge und gesellschaftliche Bedenken reduziert, was für mich persönlich jeden Elan aus der Geschichte nimmt. Ich finde das derart ermüdend, dass ich mich oftmals zwingen musste weiterzulesen und nicht selten ein Gähnen unterdrückt habe.


Nichtsdestotrotz finde ich den Sprachstil - obwohl dieses Werk mittlerweile gut 200 Jahre zählt - sehr annehmbar, denn man ist nach einer kurzen Eingewöhnung sofort in dieser Ausdrucksweise drin.


Alles in allem konnte mich Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ nicht überzeugen. Überwiegend langweilige Passagen werden nur selten von erheiternden Momenten aufgepeppt, wobei jedoch die herauszulesende Grundthematik, wie die damalige Stellung von Frauen und die gesellschaftliche Etikette an sich,  durchaus interessant zu lesen ist.


Ich glaube, dass sich Klassiker aus Jane Austens Hand vor allem an Leser richten, die Liebesgeschichten mögen, und ich daher diese klassische Version genau an solche empfehlen kann.

________________
MEINE BEWERTUNG
★★★


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Kommentare:

  1. Eine sehr ausführliche und liebevoll ausformulierte Beurteilung. Gefällt mir sehr!

    ♡liche Grüße vom Lenchen

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  2. Hey Nicole,

    ich hab das Buch in einer anderes Aufmachung hier stehen und vor einer Ewigkeit in der Schule gelesen, lang lang ist´s her ^^ Deine Rezension ist klasse geschrieben und ich hatte richtig Spaß daran! Sicher mehr als wenn ich das Buch selbst gelesen hätte denn der Schreibstil ist auch nicht meins, so viel weiß ich zumindestens noch.

    Liebste Grüße,
    Tinker

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    1. Hallo Tinker,

      danke schön! :)

      Ich habe mich bemüht, um dem Buch einigermaßen gerecht zu werden. Auch wenn ich es sehr zäh fand, es hat schon seinen Grund, warum es ein Klassiker der Weltliteratur ist.

      Der Schreibstil war ok, aber diese langweilige Art zu erzählen ist einfach nicht meins.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  3. Hey Nicole,

    oh weh, schade, dass dich das Buch nicht ebenso restlos begeistern konnte, wie es bei mir damals der Fall war. Ich war irgendwann so gefesselt von der Geschichte, dass ich es kaum zur Seite legen konnte. Hast du die Verfilmung gesehen? Ich kenne nur die mit Keira Knightly, mag sie aber auch sehr. :) Wobei mich das Buch sogar noch mehr mitgerissen hat, aber ja, es ist vermutlich für hoffnungslose Romantiker geschrieben. ;)

    Eine tolle Rezension übrigens!

    Liebe Grüße,
    Anna

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    1. Hallo Anna,

      ja, mittlerweile ist mir klar, aus Jane Austen und mir wird wohl nichts mehr werden. :D Macht ja nichts, es kann einem eben nicht alles gefallen, oder?

      Nein, ich kenne keine einzige Verfilmung und wenn ich ehrlich bin, wird's wohl auch so bleiben. Es gibt noch so viele andere Klassiker zu entdecken und ich bin auf jeden Fall froh, dass ich es gelesen habe. Finde es immer gut, wenn man sich eine eigene Meinung bildet.

      Danke! :)

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  4. Oh je, jetzt ist mein ganzer Kommentare weg. Nur noch mal kurz: Sind das 0 Sterne? Das hätte das Buch nicht verdient, finde ich. Mal davon abgesehen, dass ich es grandios finde und auch die umständlich geschliffene Sprache mag.
    In der Übersetzung leiden Klassiker mit den Jahren, während das Original zeitlos bleibt. Deshalb werden so viele Werke auch immer wieder neu übersetzt.
    Hast du "Jane Eyre" gelesen?

    LG
    Mona

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    1. Nein, das sind 3 Sterne. XD So schlecht war es auch wieder nicht. Naja, ich finde, den Übersetzern wird ganz schön häufig der schwarze Peter zugeschoben. So gut kann der Übersetzer gar nicht sein, dass er mehr Handlung in die Geschichte bringt.

      Ja, "Jane Eyre" habe ich gelesen, ein großartiges Buch!
      Ich poste mal den Link zu meiner Rezension:
      http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at/2016/04/rezension-jane-eyre-charlotte-bronte.html

      Liebe Grüße,
      Nicole

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    2. Das mit dem Übersetzer bezog sich auf die Sprache und nicht auf den Inhalt. 😉
      Bei mir sehen alle Sterne gleich aus. 😕

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    3. Ah ok. ;-) Aber die Sprache fand ich ganz ok, da gibt's nichts zu meckern. Das mit den Sternen ist ja ärgerlich ...

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