Freitag, 29. April 2016

Rezension: Totenhaus - Bernhard Aichner

© Random House
Meine Bewertung ★★★

SHORT FACTS



Titel: Totenhaus
Autor: Bernhard Aichner
Verlag: Der Hörverlag 2015
Dauer: 478 min 
Sprecher: Wolfram Koch
ISBN: 9783844519143



Im Totenhaus


Es geschieht, was geschehen musste. Die Totenfrau ist zurück gekehrt.

Am Innsbrucker Friedhof werden bei einer Exhumierung zu viele Leichenteile in einem Sarg entdeckt. Es liegt auf der Hand, dass es sich hierbei um ein Verbrechen handeln muss und es kommt nur eine Person als Täter in Frage. Brunhilde Blum. Die Totenfrau.

Die Totenfrau Blum habe ich bereits im 1. Teil der Trilogie kennengelernt. Blum ist eine Psychopathin der höchsten Stufe. Sie ist Bestatterin, hat eine grausame Kindheit hinter sich und sieht den Tod nicht nur als Geschäft sondern vor allem als Lösung für ihre Probleme an.


Der Anschluss an den Vorgänger „Totenfrau“ ist dem Autor ausgezeichnet gelungen. Der Band schließt kurze Zeit später an und man merkt, wie sich die Handlung zuzuspitzen beginnt.


Blum. Es geht weiter mit Blum, der Totenfrau. Brunhilde Blum ist der unsympathischste Charakter, mit dem ich es jemals zutun hatte. Anfangs fand ich sie noch faszinierend, doch mittlerweile nur mehr verstörend. Als Dreh- und Angelpunkt der Reihe, wird man mit ihrem abstoßenden Gefühlsleben, ihren Ausbrüchen und Kurzschlusshandlungen konfrontiert. Obwohl ich mich einfach nicht für sie erwärmen kann, ist es doch so, dass dem Autor mit dieser erbarmungslosen Figur ein Trumpf gelungen ist, auf den man sich einfach nur einlassen muss, um ihren abstoßenden Charme zu spüren.


Während ich beim 1. Teil vom mitreissenden Stil gepackt wurde, konnte mich der Autor diesmal nur schwer bei der Stange halten.


Die Handlung an sich konnte mich leider gar nicht überzeugen, weil sie überkonstruiert, richtig an den Haaren herbeigezogen wirkt und eigentlich am Klappentext vollkommen vorbeigeht. Ich hatte mir doch erwartet, dass sich ein Katz- und Maus-Spiel zwischen Blum und Ermittlungsbeamten ergibt. Allerdings geht es in eine völlig andere Richtung, die mir, aus den bereits genannten Gründen, eher nicht gefallen hat.


Bernhard Aichner setzt einen sehr bildhaften Erzählstil ein, der wunderbar zu lesen bzw. zu hören ist und stellt dabei den Tod mit all seinen makabren Facetten in den Vordergrund: ausgestopfte Menschen, blutige Kunst auf Leinwänden und eine Bestatterin, die sich nicht nur beruflich um den Tod zu kümmern hat.


Sein berüchtigter Stakkato-Stil - aus kurzen Sätzen, teilweise nur Wörter oder gar Fetzen davon - wird auch in diesem Folgeband angewandt. Beim Vorgängerband habe ich diesen Stil als rasant und tempogeladen empfunden, bei diesem Band in der Hörbuchversion hat es auf mich eher störend gewirkt.


Zusammengefasst ist „Totenhaus“ zwar handlungsarm, aber dank der Totenfrau doch noch auf abscheuliche Weise faszinierend, und wer wissen möchte, wie es Brunhilde Blum in der Fortsetzung ergeht, sollte sich unbedingt selbst ein Bild machen.


Bisher erschienen:
1) Totenfrau [Rezension lesen]
2) Totenhaus
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Kommentare:

  1. Hallo Nicole,

    ich habe bereits mitbekommen, dass der 2. Teil etwas schwächer sein soll, als der 1. Auch denke ich, dass es bei seinem Schreibstil besser ist, es zu lesen, als zu hören (ich kann es mir nur schlecht vorstellen).

    Auf jeden Fall möchte und werde ich das Buch lesen und es ist bei Skoobe bereits auf meiner Merkliste.

    Liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Hallo Uwe,

      ja, auf jeden Fall! Hier hätte ich tatsächlich zum Buch greifen sollen, weil dieser Stakkato-Stil in gesprochener Sprache sehr, sehr gewöhnungsbedürftig war. Allerdings hätte das wohl an der Handlung auch nichts geändert ...

      Auf jeden Fall bin ich gespannt, was du sagen wirst, nach dem du Blum zum zweiten Mal begegnet bist.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  2. Ich kann mir die Geschichte ehrlich gesagt ünerhaupt nicht als Hörbuch vorstellen, ich glaube, das funktioniert nicht gut, also für mich. Bei den Hörproben habe ich schon nach wenigen Sekunden das Interesse an der Handlung verloren, es packt mich gar nicht, wohingegen ich beim Buch schon nach wenigen Worten total gefesselt bin von all den Bildern in meinem Kopf. Hm, interessante Sache eigentlich.

    Vielleicht liegt es auch daran, dass ich Bernhard Aichner mal auf einer Lesung erlebt habe und er liest einfach so fantastisch, dass es mir wohl einfach schwer fällt, eine andere Intonation seines Textes in meinem Kopf sortiert zu kriegen. Und bei diesem Schreibstil hängt, glaube ich, ganz viel vom eigenen Lesetempo ab, also wie man sich da so hineinliest in das Geschehen, das kann einem, glaube ich, keiner abnehmen. Aber ich stimme Dir zu, von der Handlung her fand ich den zweiten Teil auch ein wenig schwächer als den Auftakt, überhaupt hat da der für mich noch völlig neue Schreibstil so einen bleibenden Eindruck hinterlassen, diesen "Überraschungseffekt" hatte der zweite Teil ja nicht mehr. Obwohl mich die Schreibe immer noch und immer wieder total fasziniert und sehr gut gefällt. Ich bin wirklich neugierig, was das für ein Finale geben wird. ;)

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    1. Ja, ich denke auch, dass hier das Hörbuch keine gute Wahl war. Wobei die Handlung an sich in der Printversion auch nicht besser sein kann ...

      Ich finde Aichners ungewöhnlichen Stil sehr gut und in "Totenfrau" hat er mich auch voll und ganz überzeugen können. Hier hatte ich schon das Gefühl, dass einfach etwas konstruiert wurde, um an den Erfolg vom 1. Teil anzuknüpfen. Denn wie schon gesagt, die Handlung war schon sehr fadenscheinig ... Auf das Finale bin ich auf jeden Fall gespannt! Schauen wir mal, was aus Blum werden wird.

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  3. Hallo,

    ich war auch schon von Teil 1 nicht so wahnsinnig begeistert. Sein Schreibstil ähnelt einem Maschinengewehr. Am Ende bleibt man atemlos zurück und erinnert sich kaum, dass man ein paar Seiten gelesen hat.

    Teil 2 liegt noch ungelesen hier. Der Autor Bernhard Aichner ist aber wirklich sehr sympathisch und es gelingt ihm in seinen Lesungen extrem seine Leser zu fesseln.

    Ganz liebe Grüße aus Tirol
    Marie

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    1. Hallo Marie,

      Maschinengewehrstil - das trifft es gut! Mir hat das aber in der Printversion total gut gefallen, weil es mich kaum atmen lassen hat. Aber für Hörbuchversionen ist dieser Stil meiner Meinung nach ungeeignet und bei diesem Buch war auch die Handlung nicht gerade umwerfend.

      Liebe Grüße aus NÖ!
      Nicole

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