Dienstag, 29. September 2015

Rezension: Johannes Cabal. Seelenfänger - Jonathan L. Howard

© Random House

Meine Bewertung ★★★


SHORT FACTS

Titel: Johannes Cabal. Seelenfänger
Autor: Jonathan L. Howard
Verlag: Goldmann 2009
Seiten: 384
ISBN: 9783442469963

 

Makabres Freizeitvergnügen


Johannes Cabal - seines Zeichens Totenbeschwörer - fährt in die Hölle um Luzifer himself einen Deal vorzuschlagen. Er möchte seine schwarze Seele vom Fürst der Finsternis zurück, doch der lässt sich nicht ganz so einfach darauf ein und schlägt nach gutem Höllenbrauch eine Wette vor: innerhalb eines Jahres soll Cabal 100 Seelen in die Hölle verfrachten und dafür bietet er ihm sogar Hilfestellung an.

Diese Unterstützung ist ein Jahrmarkt, der Zwietracht unter den Menschen sät und als eingestaubtes Projekt in den hintersten Winkel der Hölle ruht. Cabal bleibt keine andere Wahl und lässt sich auf das teuflische Vergnügen ein.

Johannes Cabal ist ein bizarrer Typ. Selten hatte ich es mit einem derart kaltherzigen Protagonisten zutun. Was aber an und für sich kein Wunder ist, wenn man seelenlos als Nekromant bzw. Totenbeschwörer seinen Alltag verbringt. Vor Jahren hat Cabal seine Seele an den Teufel verkauft, um im Gegenzug dazu die Geheimnisse der Nekromantie zu erfahren. Mittlerweile stellt er fest, dass die Seelenlosigkeit nicht nur Vorteile mit sich bringt und nun fordert er, was rechtmäßig ihm gehört vom Satan zurück.

Der Schreibstil ist schwierig zu beschreiben. Einerseits strotzt er vor typisch britischem Amusement mit einer fein geschliffenen Sprache, schwarzem Charme und überlegten Anspielungen, andrerseits wirkt er manchmal etwas albern und hochgeschraubt, was teilweise gewöhnungsbedürftig war.

„Bettler, Hausierer und Vertreter waren durchaus willkommen - es kam billiger, als ein Besuch beim Fleischer.“ (S. 372)

Die Erzählung selbst ist ebenso makaber, worauf man sich meiner Meinung nach wirklich einlassen muss, um sie genießen zu können. Cabal als seelenloser Wissenschafter holt Zombies aus der Taufe, haucht toten Menschen Leben ein und flickt schon einmal den einen oder anderen lebenden Leichnam wieder zusammen, damit dieser weiterhin auf dem Jahrmarkt seinen Dienst tun kann:

„Der Schaden ist irreparabel. Verstehst du das? … Ich könnte ihn abnehmen, den Stumpf abdichten und versuchen, die Knochen zu reanimieren.“ (S. 90)

Obwohl es der erste Band einer Trilogie ist, hatte ich beim Lesen oft das Gefühl, irgendetwas versäumt zu haben, weil viel vorhergehende Ereignisse immer wieder von Bedeutung sind. Es war als ob es sich eigentlich schon um einen weiteren Band einer Reihe handelt. 

Nichtsdestotrotz war ich gern mit dem Totenbeschwörer Johannes Cabal und seinem Jahrmarkt der Zwietracht unterwegs, habe mit ihm Mütter zum Mord getrieben, stinkende Leichen verarztet und mich mit dem Höllenfürsten angelegt. Wer eine Vorliebe für seelenlose schwarze Charaktere im Rahmen eines absurd-makabren Settings hat, sollte sich auf eine Begegnung mit Johannes Cabal einlassen und selbst schauen, wie er ihm zu Gesicht steht und ob er ihm ein weiteres Mal begegnen mag.

Die Johannes-Cabal-Trilogie:
1) Johannes Cabal. Seelenfänger
2) Johannes Cabal. Totenbeschwörer
3) Johannes Cabal. Das Institut für Angst und Schrecken


Kommentare:

  1. Hi Nicole!

    Das Buch klingt echt interessant, irgendwie mal was völlig anderes, makaber eben. Aber seltsam, dass du schon beim ersten Teil das Gefühl hattest, etwas verpasst zu haben!

    Liebe grüsse
    Jessi

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    1. Hallo Jessi,

      ja, sehr makaber und bestimmt Geschmacksache. Ja, das war wirklich seltsam! Denn es wird ständig auf vorherige Ereignisse Bezug genommen, die für den weiteren Verlauf wichtig sind, und das war als ob ich einen vorherigen Band nicht kennen würde. Ich habe aber mehrmals nachgeschaut und es ist der 1. Teil. Und das hat weniger Spaß gemacht, muss ich zugeben. Hingegen hat mich dieser Cabal richtig fasziniert.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  2. Hey,

    das klingt aber schon, als wärst du nicht komplett überzeugt. Ich glaube, das Buch wäre nichts für mich, klingt von der Story her etwas überdreht.

    LG
    Sonja

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    1. Hallo Sonja,

      ja, das liest du richtig raus. Aber das liegt vor allem daran, weil ich beim Lesen ständig das Gefühl hatte, dass mir ein Band fehlt. Ich habe sogar mehrmals online nachgeschaut, ob ich wirklich Band 1 erwischt habe. Anscheinend habe ich mich nicht vertan.

      Überdreht trifft es durchaus. ;-)

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  3. Hallo Nicole,

    hmm, irgendwie klingt das interessant und erinnert mich so ein bisschen an Skulduggery Pleasant... ich habe es mal auf meine Wunschliste gepackt - danke für die Rezi!

    Liebe Grüße,
    Anna

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    1. Hallo Anna,

      es ist tatsächlich sehr interessant. Skulduggery Pleasant kenne ich leider gar nicht, kann's daher nicht sagen.

      Wäre übrigens echt toll, wenn du es bei Gelegenheit auch mal liest und mir dann sagst, ob du auch das Gefühl hattest, einen Mittelteil einer Reihe zu lesen (es ist aber definitiv Band 1 - ich habe es einige Male überprüft).

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  4. Hi Nicole,

    oh Skulduggery solltest du dringend eine Chance geben - ich LIEBE die Bücher. :) :D

    Sollte ich es lesen, berichte ich dir, ob ich es auch eher als Mittelteil empfunden habe. :)

    Liebe Grüße,
    Anna

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    1. Hallo Anna,

      was mich halt abschreckt, Skulduggery ist wieder so eine lange Reihe. Und Reihen habe ich hier schon so viele, die mal gelesen werden möchten (man denke an Department 19 ;-)).

      Ja, unbedingt! Da bin ich neugierig, wie du es empfindest.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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