Freitag, 7. August 2015

Rezension: Das Gespenst von Canterville - Oscar Wilde

Meine Bewertung ★★★


SHORT FACTS

Titel: Das Gespenst von Canterville
Autor: Oscar Wilde
Ersterscheinung: ca. 1887
Seiten: ca. 112


  

Der Glaube an das Gute


In meiner Ausgabe sind insgesamt fünf kurze Geschichten enthalten: „Das Gespenst von Canterville“, „Der glückliche Prinz“, „Die Nachtigall und die Rose“, „Der selbstsüchtige Riese“ und „Lord Arthur Saviles Verbrechen“.

Alle Geschichten sind emotional sehr berührend, ich würde sie sogar als aufwühlend bezeichnen.

„Das Gespenst von Canterville“ ist alles andere als der kettenrasselnde britische Altadel, den ich eigentlich erwartet hatte. Ich gebe zu, bemüht hat er sich schon, die neue Familie im Hause Canterville zu erschrecken, aber mit Amerikanern kommt nicht einmal alteingesessener britischer Geisteradel zurecht. Eine kurzweilige Geschichte, die einem zum Schmunzeln bringt!

„Der glückliche Prinz“ ist eine Erzählung, die ich als Kind um Weihnachten herum, schon in diversen Filmversionen gesehen habe. Eine Schwalbe und die Goldstatue eines Prinzen helfen zusammen, um dem ehemaligen Volk des Prinzen Gutes zutun und sich dabei selbst zu opfern. 

„Die Nachtigall und die Rose“ erzählt ebenfalls von einem Kind der Lüfte. Es ist die Geschichte der Nachtigall, die nach einem harten Winter rote Rosen zum Blühen bringt.

„Der selbstsüchtige Riese“ verschanzt sich und seinen Garten hinter einer hohen Mauer, damit außer ihm ja keiner Freude daran hat.

„Lord Arthur Saviles Verbrechen“ zählt wie die erste Geschichte eher als heitere Lektüre mit makabren Grundton, der mir sehr gut gefallen hat.

Obwohl es ein sehr dünnes Büchlein ist, konnte ich es unmöglich in einem durchlesen, denn besonders die Geschichten von der Schwalbe, der Nachtigall und dem Riesen haben mich richtig ergriffen und ich musste es immer wieder zur Seite legen, um über die einzelnen Erzählungen nachzudenken.

Alle Geschichten sind vom Motiv der Nächstenliebe, dem Glauben an das Gute und dem Umgang mit der harten Realität geprägt. Sie handeln von alles fressenden Egoismus, alles opfernder Liebe und den Hoffnungen, die man in seinem Herzen trägt.

Oscar Wilde schreibt teils heiter, meistens traurig, manchmal makaber, aber schafft es mit seinen Erzählungen jedes Mal mitten ins Herz zu treffen, etwas im Selbst zu bewegen und den Leser nachdenklich zurückzulassen, was meiner Meinung nach - nach mehr als 100 Jahren - einer wahren Meisterleistung entspricht.


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Kommentare:

  1. Hallo :)
    ah, ein Klassiker der auch noch darauf wartet das ich ihn lese :) Eine tolle Rezi dazu die Lust macht das Buch endlich mal vom SuB zu befreien!
    Ich bin grade echt über den Neupreis für die gebundene Ausgabe bei Amazon erstaunt! oO

    Liebe Grüße

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    1. Hallo!

      Dieses Buch lohnt sich sehr, die Geschichten sind sehr berührend und bezaubernd zu lesen. Bist du im positiven oder negativen über den Preis erstaunt?

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  2. Ich liiiiiiiebe Oscar Wilde. "The Importance of Being Earnest" habe ich bereits mehrmals gelesen und auch mal eine Hausarbeit darüber geschrieben. Und "Doran Gray".... einfach großartig. Oscar Wildes Schreibstil ist unglaublich toll.
    Und wenn du mal richtig heulen willst, dann les die Liebesbriefe von ihm :)
    Lg Kerstin

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    1. Hallo Kerstin,

      ja, Oscar Wilde hatte es wirklich drauf. "Das Bildnis des Dorian Gray" habe ich vor einigen Jahren auf Englisch geschrieben, da war die Sprachgewalt noch spürbarer, allerdings hat mich die Handlung selbst etwas gelangweilt. Ich werde aber sicher noch mehr von ihm lesen.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  3. *meld* Auch ein großer Fan von Oscar Wilde! :D Könnte nicht mal sagen, was aus seinem vielfältigen Werk mir am meisten gefällt, ich könnt mich da reinlegen, die Kunstmärchen, seine Komödien, alles ganz schön großes Kino und schreiberisch ein kleines Genie, irgendwie. Hat schon viele tolle Sachen gemacht. :D

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    1. Hallo Philly,

      wie schön, dich wieder einmal zu sehen! *freu* Ja, ich kann dir nur zustimmen, bin noch immer ganz überwältigt und werde sicher wieder zu einem Werk von ihm greifen. Ein großartiger Autor!

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  4. Hi :D
    Schöne Rezi zu einem Klassiker, den ich überhaupt nicht kenne. Ich lese meistens nur klassische Literatur von deutschen Autoren, aber hier sollte ich mich auch ranwagen! Klingt auf jeden Fall echt interessant!

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Hallo Jessi,

      ich kannte die Geschichte eigentlich auch nicht, aber während des Lesens ist mir aufgefallen, dass sie bei uns oft in Fernsehsendungen (zB Weihnachten) oder auf andere Weise verarbeitete werden. Gehört habe ich eigentlich von jeder Geschichte schon einmal etwas, aber das wurde mir erst beim Lesen bewusst. Ja, hier kannst du dich guten Gewissens ranwagen, weder schwer zu lesen noch langatmig, kann ich nur empfehlen!

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  5. Huhu,

    ich habe das Buch auch gerade auf meinem Blog vorgestellt und bin hier zufällig gelandet und hab mich gleich gefreut, dass es noch jmd kennt und mag ;) Kannst du noch andere Geistergeschichten empfehlen? LG Tinka vom Blog literaturaustausch.blogspot.co.at

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    1. Hallo Tinka,

      das freut mich, dass du mich gefunden hast. :) Ich habe kürzlich "Die Legende von Sleepy Hollow" gelesen, das war aber nicht meins. "Novellen des Todes" von Poe fand ich nicht schlecht. "Mr Rileys Hürchen und 13 weitere Gruselgeschichten" von Tanja Hanika hat mir recht gut gefallen. Darin sind schöne Gruselgeschichten zu finden, auch wenn mir der Titel an sich überhaupt nicht gefällt. ;)

      Liebe Grüße,
      Nicole

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