Freitag, 5. Juni 2015

Rezension: Sara - Stephen King

© Random House

Meine Bewertung ★★★


SHORT FACTS

Titel: Sara
Autor: Stephen King
Verlag: Heyne 1999
Seiten: 640
ISBN: 9783453160811

 

Sara lacht


Der Schriftsteller Michael Noonan schlittert nach dem plötzlichen Tod seiner Frau in eine Schreibblockade. Gerade noch die Liste für den täglichen Bedarf und seine geliebten Kreuzworträtsel bringt er zu Papier. Nebenher wird er von schrecklichen Albträumen geplagt, die sich um sein Sommerhaus am See ranken. Ist dieses Haus der Schlüssel, um seine schriftstellerische Untätigkeit zu überwinden? Oder ist an den furchterregenden Träumen doch etwas Wahres dran?

Michael Noonan beschließt es doch noch zu versuchen und ein weiteres Buch zu schreiben. Dazu bezieht er das Sommerhaus am See, das ihn an heitere Stunden seines Ehelebens, kreative Schreibphasen aber auch an die grauenhaften Albträume erinnert. Bereits als er ankommt, begrüßt ihn sein Haus „Sara lacht“ mit einem unheimlichen Lächeln in der Einfahrt, denn so manches Traumfragment kommt ihm unvermutet als Realität unter die Augen, was ja eigentlich nicht sein dürfte, weil er diese Details nur aus seinen schrecklichen Träumen kennt. 

Bei diesem Horror-Roman aus Stephen Kings Feder handelt es sich um eine richtig schöne Geisterhausgeschichte. Michael Noonan befindet sich allein im Haus, trauert um seine verstorbene Frau und fürchtet nun endgültig dem Wahnsinn zu verfallen, als es zu spuken beginnt: kalte Schauer, mysteriöse Botschaften, vertraute Geräusche und ein Klopfen im Keller, das ihm das Blut gefrieren lässt. Handelt es sich um die Verstorbene, die mit ihrem Mann in Kontakt treten will, oder sind noch die Spuren der Jazzsängerin Sara im Haus, die um die Jahrhundertwende ein ungeklärtes Schicksal ereilte und deren Lachen ihn in seinen Albträumen verfolgt?

Meiner Ansicht nach schaffen es nur wenige Autoren, gleichzeitig langatmig und spannend zu schreiben. Obwohl auch in diesem Roman die gewohnte Ausführlichkeit zu Tage tritt, fürchtete ich bei jeder umgeblätterten Seite, dass mir das Böse gleich mitten ins Gesicht springen wird. Ähnlich wie bei Filmen dieser Art, werden Alltagsszenen bis zum Zerreissen von einer Anspannung getragen, an deren Ende dann doch nichts passiert, um letztendlich umso unvermuteter zuzuschlagen, was Protagonist und Leser einen ordentlichen Schreck einjagt.

Gemeinsam mit Michael Noonan bin ich in die „Zone“ abgetaucht, ein Ort, an dem sich der Autor verliert, um an seinen Romanen zu basteln, womit Stephen King meiner Vermutung nach seinen Lesern Einblick in seine schriftstellerische Schaffensphasen schenkt. 

Neben den vom Horror getragenen Grundelementen sind es Themen wie Rassismus, Sorgerecht und die von King geliebten Mechanismen ländlicher Dorfgemeinschaften, die hier die Geschichte leiten, und auf diese Weise die Gräuel von Fiktion und Realität zu einem Gesamtbild verschmelzen.

Für mich war es wieder einmal ein Schauerroman, der mich gut unterhalten, den ich gern gelesen, und der mir die Haare zu Berge stehen lassen hat. Es ist ein King-Roman, den ich geneigten King-Lesern und interessierten Neulingen mit gutem Gewissen weiterempfehlen kann.


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Kommentare:

  1. Hallo Nicole :)
    ich habe dieses Buch vor einigen Jahren gelesen und fand es auch richtig gut. Eine tolle Rezension. :)

    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Danke dir! Und ich habe mich relativ lang dagegen gesträubt, weil ich Jazz nicht so mag. :-D Ich dumme Nuss! ;-)

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  2. Eine schöne Rezension, das ist eines der wenigen Bücher, die ich von King noch gar nicht gelesen habe, aber jetzt nach deiner Rezi hätte ich direkt Lust dazu ;)

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Hallo Jessi,

      ja, ich grabe momentan lauter King-Schätze hervor, denen ich bisher kaum Beachtung geschenkt habe. Es ist richtig gut zu lesen.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  3. Schön das es dir so gut gefallen hat. Ja langatmig und gleichzeitig spannend schreiben, das kann er ^^ Ich glaube, ich hab mir da echt viel "kaputt" gemacht, weil ich den Film vorher gesehen habe...
    Finde es immer wieder interessant, wie er sich selbst in seine Bücher einbringt. Außerdem mag ich ja diese kleinen Verknüpfungen ( Castel Rock Zyklus ) da hat man bei lesen immer so einen "Aha" Effekt.

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    1. Ich habe noch gar nicht viele King-Filme gesehen, denn wenn ich den Film kenne, interessiert mich das Buch einfach nicht mehr. Kann ich mir vorstellen, wenn man weiß, was passiert, bleibt die Spannung auf der Straße, gibt's gar nicht anders.

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  4. Huhu Nicole :-)
    Das Buch kannte ich noch gar nicht. Klingt auf jeden Fall gut und wandert auf die WuLi :-)

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  5. Sehr fein! Ich freue mich über jede Wunschliste, die ich bereichern kann. ;-) Stimmt, dieses Buch von King sieht man eigentlich selten.

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