Freitag, 19. September 2014

Rezension: Schuld und Sühne - Fjodor M. Dostojewski

Quelle: pixabay.com
Meine Bewertung ★★

SHORT FACTS

Titel: Schuld und Sühne
Autor: Fjodor M. Dostojewski
Verlag: Anaconda Verlag 2012
(Ersterscheinung 1866)
Seiten: 798
ISBN: 9783866477650

 

Ein psychologisches Krimi-Duell


Rodion Raskalnikow schmeißt sein Studium in St. Petersburg hin, grenzt sich selbst von sozialen Kontakten ab und vergräbt sich in die fixe Idee, eine Pfandleiherin nicht nur um ihr Vermögen sondern auch gleich um ihr Leben zu bringen.

Er sei als Übermensch geboren, ist Rodions Meinung, und dies gebe ihm das Recht, einen Mord zu begehen. Doch bei seinen Überlegungen vergisst er ganz auf die Konsequenzen, die so ein Raubmord mit sich bringt …



Raskalnikow begeht also die Tat, die er sich schon so schön im Kopf zurecht gelegt hatte und dann geht doch einiges dabei schief. Unvermittelt driftet er in einen paranoiden Wahn ab, weiß nicht wem er trauen kann, sieht im Freund den Feind oder umgekehrt? Und die Polizei ist ihm auf den Fersen oder ist das auch nur Einbildung?



Im Vordergrund steht natürlich Raskalnikow, ein Mörder, Unsympathler, der Idealtyp eines Antihelden. Die Abscheu gegen Rodion stieg gleichzeitig mit der gelesenen Seitenzahl und trotzdem habe ich manchmal sogar Mitleid mit ihm empfunden.



Dostojewski zeichnet ein psychologisches Bild des Täters und zeigt sich in diesem Feld besonders bewandert. Sogar der ermittelnde Polizeibeamte Porfiri entpuppt sich als früher Profiler, der immer wieder in seine psychologische Trickkiste greift, um ein Verhör voran zu treiben.

Doch anders als erwartet ist auch Rodion diesem Spiel nicht abgeneigt, auch wenn ihm seine wachsende Paranoia zu überrumpeln droht.



Für mich waren diese Duelle zwischen dem Ermittler und Raskalnikow sehr amüsant zu lesen und obwohl ich Rodion eher abgeneigt war, fühlte ich mich gleichzeitig mit ihm in die Ecke gedrängt. Bei vielen dieser Passagen musste ich an den bekannten Inspektor Colombo aus der gleichnamigen Fernsehserie denken, dem das psychologische Spiel der Unscheinbarkeit auf den Leib geschneidert war.



Mit den vielen Nebenpersonen und -handlungen habe ich mich doch etwas geplagt. Die vielen russischen Namen haben mich manchmal verwirrt, sodass ich mehrere Stellen noch einmal lesen musste, um zu verstehen, mit wem ich es jetzt eigentlich zutun habe.
Hinderlich war hier die russische Eigenheit, Personen mit mehreren Namen zu versehen, die dann willkürlich verwendet werden. Es kommt sogar vor, dass eine Person in einem Absatz dreimal unterschiedlich bezeichnet wird!
Daraus habe ich auf jeden Fall gelernt, dass ich mir beim nächsten „Russen“ Notizen zu den Namen der Charaktere machen werde.



„Schuld und Sühne“ war mein erster russischer Klassiker. Das Werk ist ursprünglich 1866 erschienen und so habe ich mir einen dementsprechend altmodischen Schreibstil und eine zurückhaltendere Erzählweise erwartet.



Aber ich hatte natürlich nicht mit Dostojewski gerechnet. Kaum zu glauben, mit welch moderner Sprache er bereits damals dieses großartige Werk geschrieben hat. Es lässt sich sehr gut und flüssig lesen, hält meistens die Spannung und überrascht mit einer erschreckenden Brutalität, die man auch heutzutage nur selten in einem Kriminalroman so finden kann.


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Kommentare:

  1. Hallo :)

    bin gerade auf deinem Blog gelandet, auf der Suche nach neuen Blogs, denen ich folgen kann :) hat mich überrascht jemanden zu finden, der Dostojewski liest! Ist doch in der relativ modernen Bloggercommunity sehr selten anzutreffen. Habe "Schuld und Sühne" ebenfalls dieses Jahr gelesen und mir ging es mit den russischen Namen recht ähnlich :D

    Habe mir mittlerweile "Anna Karenina" von Tolstoi besorgt, aber seitenmäßig ist dieses Werk ja auch nicht zu verachten, so schiebe ich es momentan noch vor mir (ebenso wie "Krieg und Frieden", das mit seinen 1500 Seiten mein dickstes Buch bisher wäre).

    Werde mich jedenfalls gerne als Leserin eintragen und freue mich falls du ebenfalls mal wieder einen entsprechenden Klassiker rezensierst :)

    Liebe Grüße Misty vom
    http://friedhofdervergessenenbuecher.blogspot.co.at/

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    1. Hallo Misty,
      freut mich, dass du dich auch für Klassiker interessiert! Gerade in dem Bereich habe ich mit gar keinem Interesse von anderen gerechnet. :-)

      Bei mir war "Die Elenden" ein richtig dicker Schmöker und für den Rest des Jahres will ich unter 1000 Seiten bleiben. Aber "Anna Karenina" reizt mich auch.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  2. Hallo,

    ich bin über die Blogger Kommentieraktion auch auf deinem Blook gelandet und ich hab mich sofort verliebt und ich bei G+ geaddet. Ich bin selbst ein absoluter Fan von Klassikern und von Dostojewski. Schuld und Sühne habe ich mal angefangen, habe es aber zwischendurch abgebrochen, weil mir dann ein Umzug dazwischen kam und ich so ein Buch nicht zwischen Tür und Angel lesen kann. Ich fand aber schon die ersten 200 Seiten total toll und bin gespannt wie es weitergeht mit dem Protagonisten. Außerdem gelesen habe ich "Die Dämonen" und "Der Doppelgänger". Beides zwei wirklich geniale Bücher, die ich dir auch nur empfehlen kann.
    Liebe Grüße
    Sabrina

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    1. Hallo Sabrina,

      schön, dass du zu mir gefunden hast und es dir hier gefällt! Freut mich natürlich sehr! :-)

      Als Klassiker-Fan würde ich mich nicht bezeichnen, aber ich lese sie ab und zu sehr gern. Ich habe bisher nur "Schuld und Sühne" von Dostojewski gelesen, es werden aber bestimmt weitere folgen.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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