Samstag, 14. Juni 2014

Book S(h)elf: Zeit für neue Genres

Ohne Abschied, kein Wiedersehen


Als ich mich vor gut einem Jahr bei den Buchgesichter.de angemeldet habe, bin ich gleich einmal lauthals in die Thriller-Gruppe geplatzt und habe von mir behauptet, ein Gourmet in diesem Genre zu sein und inständig gehofft, dass ich bei BG gute Lesetipps bekomme. Dank BG habe ich diesbezüglich keine Lesetipps erhalten, dafür wurde mir eine Einsicht geschenkt.


Es ist an der Zeit, die Krimis und Thriller loszulassen, weil es geht nicht mehr. Angefangen hat es ja ganz unschuldig mit Kurt Wallander. Ich war 17 als wir uns am Bahnhof kennenlernten. Die übliche Geschichte, der Zug hatte Verspätung, ein junges Mädchen, das wartet, und ein erfahrener, geschiedener Kommissar, ein Schwede noch dazu - mehr brauche ich wohl nicht sagen, oder? Neben seiner aktuellen Fälle habe ich sogar Bekanntschaft mit seinem Auerhahn malenden Vater, der Ex-Frau, der Geliebten und Töchterchen Linda gemacht. Mit Linda habe ich später noch ermittelt, da war Kurt schon in Pension.

Nach Kurt habe ich C.J. Townsend getroffen, sie war Anwältin und ermittelte im Fall Cupido. Es war mal wieder eine Serienkiller-Geschichte, allerdings war der vermeintliche Täter rasch gefasst. Ob er wirklich schuldig war, in dem Punkt war man sich lange nicht einig. Aber für C.J. lag der Fall klar auf der Hand, weil sie diesem Mann vor Jahren selbst zum Opfer fiel.


Danach wurde ich unbeständiger. Eine Weile war ich mit Smoky Barrett unterwegs, sie konnte mich aber nicht lange halten, denn ich habe mehr zu David Hunter eher Richtung Rechtsmedizin tendiert. Das war mal etwas anderes. Doch auch das hielt nicht lange und so folgte ein Intermezzo dem anderen.


Trotzdem hatte ich noch lange nicht genug und wollte mit den richtig harten Jungs spielen. Ja, ich habe die Seite gewechselt und war mit Joe in Christchurch unterwegs, er ist ja eigentlich ein netter Kerl, nur manchmal bringt er halt Frauen um. 


Später wurde es schon sehr wissenschaftlich. Zuerst mit John Douglas vom FBI, der sich selbst als erster Profiler bezeichnet, was wohl meine Freundin Helen Morrison dazu sagt? Immerhin war sie es, die sich Ende der 70er laufend auf so manches Plauderstündchen mit den bösen Buben à la Richard Macek und John Wayne Gacy eingelassen hat. Ich war dann sogar noch bei Bill Bass auf der Body Farm zu Besuch, schaurige Angelegenheit, schlechter Geruch. Da hat mir Bill erzählt, dass seine erste Frau fast durchgedreht ist, weil er mal daheim in seiner Küche einen menschlichen Kopf gekocht hat. Es war ja für wissenschaftliche Zwecke, warum sieht die gute Frau das so eng?


Schon geraume Zeit fühlte ich mich im 
aktuellen Freundeskreis aber nicht mehr richtig
wohl. Andauernd wurden die gleichen Geschichten erzählt und ständig hatte ich es mit den gleichen Leuten zutun. Immer nur geschiedene Kommissare, rachewütige Opfer und wohlüberlegte Serienmörder, die vor lauter Schlamperei einen Fehler nach dem anderen begehen. Außerdem haben die Profiler sowieso immer Recht, da hilft keine Diskussion, mit ihnen braucht man sich gar nicht erst anlegen. Und weil man aufhören soll, wenn es am Schönsten ist, sage ich all diesen lieben Freunden nun „Auf Wiedersehen“ und schaue mal, welche Typen es außerhalb dieses Genres gibt.

Denn in den Buch-Communities habe ich nach kurzer Zeit schon etliche neue Bekanntschaften gemacht. Neulich traf ich einen Lindwurm – er ist sogar Schriftsteller – aus Zamonien, bin mit Teenagern durch die Zeit gereist und Louisa Clark hat mir erklärt, wie so ein ganz normaler Tag eines Tetraplegikers aussieht. Kürzlich habe ich eine Fahrkarte nach Buchland gelöst, mal abwarten, wen ich dort treffen werde ... – aber natürlich – bei alten Freunden schaut man nach langen Reisen ja immer wieder mal gerne rein.

Herzlich willkommen, auf meiner Reise durch die Büchergenres! Ich freue mich über Begleitung!



Kommentare:

  1. oha... deine Leidenschaft... sind eindeutig... "Bücher" und Lesen...
    sowie das bloggen darüber...
    wow... das find ich toll..
    Nun.. ich lese fast keine Bücher...
    Meine Leidenschaft.. ist die Fotografie...
    Einen schönen Tag... und weiter so... :-)

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    1. Vielen Dank für deinen Besuch, freut mich, dass du mich beehrt hast.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  2. Krass. Aber ich bin froh, dass du zu dieser Erkenntnis gelangen konntest ♥.
    Der Lindwurm aus Zamonien... hachja, bei dem Satz ging mir mein Eulenherz auf ^^. Ich liebe die Geschichten von Walter Moers. Das ist auch so eine Entdeckung die ich gemacht habe und die ich nicht mehr missen möchte.
    Schöne Lese-Entwicklung, die du gemacht hast ^^. Und schön, dass du das mit uns teilst.

    Liebe Grüße
    Insi Eule

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    1. Hallo Insi,

      ich war mein Leben lang so auf dieses eine Genre eingeschossen, mir wäre ohne unsere digitale Lesewelt niemals in den Sinn gekommen, mal zu einem anderen Genre zu greifen. Seither habe ich viel erlebt. XD Nicht nur in Zamonien! ♥

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  3. Es gibt nichts Schlimmeres als Schema F! Leider hatte ich bisher das Gefühl, dass viele Vertrags-Thrillerautoren immer nach demselben Muster schreiben. Da musste es ja zu einer Inflation kommen. Schön, dich auch unter den Horror- und Dystopie-Fans begrüßen zu können. :)

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    1. Es liegt wohl nicht nur an den Autoren sondern auch am Leser. Wenn man mit dem Schema F noch nicht so vertraut ist, dann kann es richtig gut sein.

      Horror mochte ich schon immer, aber die letzten Jahre greife ich doch vermehrt zum Grauen im Bücherregal. Da sind schöne fiese Geschichten dabei. :) Danke dir für deinen Besuch, freut mich sehr, dass du mich gefunden hast!

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